Wirtschaft braucht Freiheit: IKW-Ökonomen beim 2. Unternehmertag der AfD-Bundestagsfraktion
_ IKW. Berlin, 10. September 2026. – Beim zweiten Wirtschaftsgipfel und Unternehmertag der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag diskutierten am 10. September 2026 mehr als 200 Unternehmer, Ökonomen, Abgeordnete und internationale Gäste über Wege aus der anhaltenden deutschen Wirtschaftskrise. Zu den Teilnehmern gehörten Vertreter von kleinen und mittleren Unternehmen, Familienbetrieben, Handwerk und Soloselbständigkeit ebenso wie Führungskräfte großer Industrieunternehmen und Vertreter ausländischer Botschaften, insbesondere aus China und weiteren asiatischen Staaten. Die Veranstaltung fand im Paul-Löbe-Haus des Deutschen Bundestages in Berlin statt.
Das Institut für konservative Wirtschaftspolitik (IKW) war mit Christopher Kofner, Geschäftsführer und Ökonom des IKW, sowie Univ.-Prof. Dr. Fritz Söllner, Professor für Finanzwissenschaft an der Technischen Universität Ilmenau und Gastforscher am IKW, vertreten. Beide nahmen zum Abschluss des Wirtschaftsgipfels an der zentralen Podiumsdiskussion über die wirtschaftspolitischen Voraussetzungen für eine Erneuerung des Wirtschaftsstandortes Deutschland teil. Söllner gehört seit längerem zum wissenschaftlichen Expertennetzwerk des IKW und hat sich insbesondere mit Steuer-, Energie- und ordnungspolitischen Reformfragen beschäftigt.

Wirtschaftskrise und politische Aufbruchstimmung
Der Unternehmertag fand vor einem außergewöhnlichen wirtschaftlichen und politischen Hintergrund statt. Seit rund sechs Jahren befindet sich die deutsche Volkswirtschaft in einer Phase weitgehender Stagnation mit zwischenzeitlichen Rezessionsjahren. Besonders deutlich zeigt sich die strukturelle Krise in der Industrie: Produktion, Investitionen und Standortattraktivität stehen unter Druck, Unternehmen verlagern Kapazitäten ins Ausland oder bauen Beschäftigung ab. Nach einer IKW-Auswertung gingen bereits zwischen 2019 und 2025 rund 540.000 Industriearbeitsplätze verloren.
Die AfD-Fraktion selbst hatte den Wirtschaftsgipfel vor dem Hintergrund steigender Energiekosten, wachsender Bürokratie, hoher Standortbelastungen, zunehmender Insolvenzen und einer fortschreitenden Verlagerung industrieller Wertschöpfung angekündigt.
Gleichzeitig war die Veranstaltung von einer deutlich wahrnehmbaren politischen Aufbruchstimmung geprägt. Nur wenige Tage zuvor war die AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit rund 44 Prozent mit großem Abstand stärkste Kraft geworden. Damit steht erstmals konkret die Möglichkeit einer AfD-geführten Landesregierung im Raum. Auch die Frage einer künftig möglichen Regierungsverantwortung auf Bundesebene – gegebenenfalls nach vorgezogenen Neuwahlen – verlieh dem Austausch mit Unternehmern zusätzliche politische Relevanz.
Der Unternehmertag war deshalb nicht allein als Bestandsaufnahme der Wirtschaftskrise angelegt. Im Mittelpunkt stand zunehmend die praktische Frage, welche wirtschaftspolitischen Maßnahmen im Falle von Regierungsverantwortung kurzfristig umgesetzt werden müssten und wie ein engerer Austausch zwischen Politik, Wissenschaft und unternehmerischer Praxis organisiert werden kann.

Weidel und Chrupalla: Wirtschaftspolitik aus eigener Berufserfahrung
Eröffnet wurde die Veranstaltung von den beiden Vorsitzenden der AfD-Bundestagsfraktion, Dr. Alice Weidel und Tino Chrupalla. Beide verfügen über umfangreiche Erfahrungen außerhalb des klassischen Politikbetriebs.
Weidel ist promovierte Volkswirtin und Diplom-Kauffrau. Vor ihrem Einzug in den Deutschen Bundestag war sie unter anderem im Finanzsektor, im Beteiligungsmanagement und bei der Erschließung internationaler Märkte tätig. Sie arbeitete mehrere Jahre in Asien mit Schwerpunkt China und war an der Beratung und dem Aufbau von Start-up-Unternehmen beteiligt.
Chrupalla steht dagegen für den klassischen deutschen Mittelstand und das Handwerk. Der Maler- und Lackierermeister gründete nach seiner Meisterprüfung einen eigenen Handwerksbetrieb und war über Jahre selbständig tätig.
In ihren Begrüßungsreden verbanden beide die gegenwärtige wirtschaftliche Schwäche Deutschlands mit einer grundsätzlichen Kritik an der Wirtschafts-, Energie- und Regulierungspolitik der vergangenen Jahre.

Drei Kernpunkte einer angebotsorientierten Wirtschaftswende
Den politischen Impulsvortrag hielt Leif-Erik Holm, wirtschaftspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag und Ministerpräsidentenkandidat seiner Partei für die bevorstehende Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern. Holm ist ausgebildeter Volkswirt, Landesvorsitzender der AfD Mecklenburg-Vorpommern und tritt bei der Landtagswahl mit dem Anspruch an, Ministerpräsident des Landes zu werden.
Über die unterschiedlichen Beiträge der AfD-Abgeordneten hinweg zeichnete sich ein gemeinsamer wirtschaftspolitischer Grundtenor ab: Deutschland benötige keine weitere staatliche Feinsteuerung der Wirtschaft, sondern eine angebotsorientierte Wende, die Unternehmen und Arbeitnehmer wieder von politisch verursachten Standortkosten entlaste.
Drei Schwerpunkte standen dabei im Vordergrund.
Erstens forderten die Redner eine grundlegende Wende in der Energiepolitik. Die Energiewende in ihrer bisherigen Form solle beendet und Deutschland zu einem technologieoffenen Energiemix mit Kernkraft, Gas und Kohle zurückkehren. Versorgungssicherheit und international wettbewerbsfähige Energiepreise müssten wieder Vorrang vor politisch festgelegten Transformationspfaden erhalten.
Zweitens müsse die Belastung von Arbeitnehmern und Arbeitgebern durch Steuern und Sozialabgaben deutlich sinken. Investitionen, Arbeit und unternehmerisches Risiko müssten sich wieder stärker lohnen.
Drittens wurde ein weitreichender Bürokratieabbau gefordert. Dazu gehörten eine Verschlankung von Ministerien und Behörden, eine Verringerung des Verwaltungsapparates sowie die Abschaffung beziehungsweise grundlegende Rückführung umfangreicher Regulierungen aus Berlin und Brüssel, darunter Vorgaben im Bereich Lieferketten, Berichtspflichten und Verpackungsregulierung.
Der gemeinsame Leitgedanke lautete: Die Wirtschaft braucht wieder Freiheit. Wirtschaftspolitisch wurde dies mit einer Rückkehr zu den Grundprinzipien der Sozialen Marktwirtschaft und des Ordoliberalismus verbunden – einem Staat, der einen stabilen Ordnungsrahmen garantiert, sich aber weitgehend aus der unternehmerischen Detailsteuerung zurückzieht.

Industrie bleibt Fundament der Volkswirtschaft
Einen industriepolitischen Schwerpunkt setzte Dr.-Ing. Hans-Bernd Pillkahn als Vertreter der deutschen Stahlindustrie. Er wandte sich gegen einen „postindustriellen Fatalismus“, wonach hochentwickelte Volkswirtschaften ihre industrielle Basis ohne größere Wohlstandsverluste durch Dienstleistungen und Digitalisierung ersetzen könnten.
Auch eine moderne, digitalisierte und stark dienstleistungsorientierte Volkswirtschaft benötige eine leistungsfähige industrielle Grundlage. Stahl, Maschinenbau, Chemie, Energieversorgung und andere Grundstoffindustrien seien nicht Relikte einer vergangenen Wirtschaftsordnung, sondern Voraussetzungen für nahezu sämtliche modernen Wertschöpfungsketten.
Besonderes Gewicht legte Pillkahn auf Rohstoffversorgung und Lieferkettensicherheit. Ohne verlässlichen Zugang zu Energie, Metallen und industriellen Vorprodukten verliere Deutschland nicht nur einzelne Produktionsstätten, sondern schrittweise seine Fähigkeit zur eigenständigen industriellen Wertschöpfung. Die europäische Dekarbonisierungsagenda bewertete er in diesem Zusammenhang kritisch, weil steigende Energie- und Transformationskosten die Rohstoffversorgung und damit die Basis des verarbeitenden Gewerbes zusätzlich gefährdeten.

Max Otte: Wirtschaftliche Souveränität wiederherstellen
Prof. Dr. Max Otte weitete den Blick auf die geoökonomischen Rahmenbedingungen der deutschen Wirtschaft.
Nach seiner Einschätzung ist ein wachsender Teil ausländischer Investitionen in deutsche Unternehmen nicht mehr Ausdruck einer Expansion des Produktionsstandortes Deutschland. Vielmehr bestehe die Gefahr, dass infolge der strukturellen Schwächung des Standortes profitable Unternehmen, Technologien, Marken und industrielle „Filetstücke“ zunehmend von ausländischen Investoren übernommen würden, während neue Produktionskapazitäten verstärkt außerhalb Deutschlands entstünden.
Otte verwies in diesem Zusammenhang auch auf die Eigentümerstruktur der großen deutschen Aktiengesellschaften. Eine EY-Auswertung hatte für das Jahr 2021 ergeben, dass mindestens 53 Prozent der Aktien der DAX-Konzerne ausländischen Investoren zuzurechnen waren.
Als Gegenmodell plädierte Otte für eine Rückbesinnung auf wesentliche Elemente des traditionellen deutschen Wirtschaftsmodells: Soziale Marktwirtschaft, „rheinischer Kapitalismus“, langfristige Unternehmensbindung und eine stärkere Rolle bankbasierter Finanzierung gegenüber einer einseitigen Orientierung am internationalen Aktienmarkt. Historisch knüpfte er dabei auch an die frühere „Deutschland AG“ an.
Wirtschaftliche Souveränität müsse insbesondere bei Energieversorgung, digitaler Infrastruktur, strategischen Technologien und grundlegenden Produktionskapazitäten wieder stärker berücksichtigt werden. Gleichzeitig sprach sich Otte für erhebliche Investitionen in Infrastruktur und Bildung aus. Im Bildungssystem müsse der Schwerpunkt wieder stärker auf Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik sowie auf berufliche Ausbildung und Handwerk gelegt werden.
Als wirtschaftspolitische Vordenker verwies Otte unter anderem auf Friedrich List und Alexander Hamilton, die wirtschaftliche Freiheit mit Fragen nationaler industrieller Leistungsfähigkeit und strategischer Unabhängigkeit verbunden hätten. Sowohl Otte als auch Pillkahn regten an, bei der Suche nach erfolgreichen wirtschaftspolitischen Leitbildern stärker auf die Phasen des industriellen Aufstiegs des Wilhelminischen Kaissereichs sowie auf die ordnungspolitischen Grundlagen der Ära Ludwig Erhard zurückzugreifen.

Direkter Austausch unter Chatham-House-Regeln
Nach den Fachvorträgen wurde der Wirtschaftsgipfel in mehreren parallelen Gesprächsrunden fortgesetzt. Unternehmer, Ökonomen und Abgeordnete diskutierten unter Chatham-House-Regeln über Außenwirtschaft, Energie, Steuern, Bürokratieabbau, Fachkräftegewinnung sowie die besonderen Herausforderungen von Handwerk und Mittelstand.
Die Vertraulichkeit des Formats erlaubte eine offene Diskussion konkreter Erfahrungen aus den Betrieben. Im Mittelpunkt standen nicht abstrakte Parteiprogramme, sondern die praktischen Auswirkungen von Energiekosten, Steuern, Regulierung, Arbeitskräftemangel und außenwirtschaftlichen Unsicherheiten auf Investitionsentscheidungen und Unternehmensstandorte.
Ziel war zugleich, mit Blick auf eine mögliche zukünftige Regierungsverantwortung wirtschaftspolitische Reformvorschläge frühzeitig mit Vertretern der Praxis zu diskutieren und Möglichkeiten für einen dauerhaften Austausch zwischen Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zu schaffen.
Söllner: Steuerreform mit maximal 25 Prozent
Den Abschluss bildete eine von dem Bundestagsabgeordneten Stefan Keuter moderierte Podiumsdiskussion. Neben Christopher Kofner und Prof. Dr. Fritz Söllner vom IKW nahmen Dr.-Ing. Hans-Bernd Pillkahn sowie der Logistikunternehmer Andreas Wutskovsky teil.
Söllner stellte dabei die Grundzüge eines von ihm entwickelten linearen Ertragsteuermodells vor. Ziel ist eine radikale Vereinfachung des deutschen Steuerrechts und eine maximale Belastung von Arbeit, Unternehmensgewinnen und Kapitalerträgen von insgesamt rund 25 Prozent.
Anstelle des heutigen Nebeneinanders von Einkommensteuer, Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer, Solidaritätszuschlag und unterschiedlicher Kapitalbesteuerung soll ein transparentes System mit einem linearen Tarif treten. Höhere Freibeträge sollen gleichzeitig dafür sorgen, dass insbesondere niedrige und mittlere Einkommen überproportional entlastet werden. Das von Söllner maßgeblich mitentwickelte Reformkonzept verbindet damit niedrigere Steuersätze mit einer erheblichen Vereinfachung des Steuerrechts.

Kofner kritisiert Annahmen von DIW und IWH
Christopher Kofner setzte einen Schwerpunkt auf die Rolle wirtschaftswissenschaftlicher Politikberatung im Vorfeld von Wahlen. Er kritisierte mehrere kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt veröffentlichte Untersuchungen des DIW Berlin und des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), die negative wirtschaftliche Folgen einer möglichen AfD-Regierung errechneten.
Kofner verwies darauf, dass das IKW die zugrunde liegenden Studien methodisch untersucht habe. Dabei zeige sich wiederholt, dass zentrale Ergebnisse stark von politischen und ökonomischen Ausgangsannahmen abhängig seien. So würden teilweise Szenarien zugrunde gelegt, die nicht unmittelbar aus dem jeweiligen Regierungsprogramm folgten, während mögliche positive Anpassungseffekte kaum oder überhaupt nicht quantifiziert würden.
Das IKW hatte beispielsweise die IWH-Szenariorechnung zum Arbeitskräftemangel in Sachsen-Anhalt analysiert. Während das IWH einen möglichen Rückgang des Zuwachses ausländischer Beschäftigter detailliert berechnet, werden mögliche Gegenwirkungen – etwa eine stärkere Aktivierung bereits im Land lebender Arbeitskräfte, die Rückkehr ausgewanderter deutscher Fachkräfte oder eine höhere Attraktivität des Standortes infolge veränderter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen – nicht in gleicher Weise berücksichtigt.
Auch bei der Untersuchung zur Finanzierbarkeit des AfD-Regierungsprogramms hatte das IKW gezeigt, wie stark das Ergebnis von der Interpretation einzelner Haushaltspositionen und der zugrunde gelegten Finanzierungsannahmen abhängt.
Kofner kritisierte zudem die Finanzierungsstruktur von IWH und DIW: Über 90 Prozent ihrer Mittel stammen unmittelbar oder mittelbar aus öffentlichen beziehungsweise öffentlich finanzierten Quellen. Darin sah er bei Studien, die kurz vor Wahlen mögliche AfD-Regierungen negativ bewerten, einen strukturellen Interessenkonflikt – schließlich werden diese Finanzierungsstrukturen von politischen Mehrheiten getragen, die selbst im Wettbewerb mit der AfD stehen.
Gerade deshalb, so Kofner, müsse bei wirtschaftspolitischen Studien, die unmittelbar vor Wahlen veröffentlicht werden und konkrete Parteien oder Regierungsoptionen bewerten, besonderer Wert auf transparente Annahmen, symmetrische Szenarien und methodische Nachvollziehbarkeit gelegt werden.

Aufbruchstimmung im Mittelstand
In seinem abschließenden Resümee betonte Enrico Komning, Parlamentarischer Geschäftsführer der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag, dass der zweite Unternehmertag den zunehmend breiteren Austausch zwischen AfD, Wirtschaft und wirtschaftswissenschaftlichen Experten gezeigt habe. Besonders stark vertreten seien mittelständische Unternehmen, Familienbetriebe, Handwerk und Selbständige gewesen – also jene Bereiche, die hohe Energie- und Arbeitskosten, steuerliche Belastungen und Bürokratie unmittelbar im betrieblichen Alltag erfahren.
Komning verband die kritische Bestandsaufnahme der wirtschaftlichen Lage mit einer deutlich wahrnehmbaren Aufbruchstimmung. Die Frage laute zunehmend nicht mehr nur, welche wirtschaftspolitischen Fehlentwicklungen korrigiert werden müssten, sondern wie ein alternatives Regierungsprogramm im Falle politischer Mehrheiten praktisch umgesetzt werden könne.
Als gemeinsamen Nenner vieler Beiträge hob er die Rückkehr zu den Grundsätzen der Sozialen Marktwirtschaft hervor: mehr wirtschaftliche Freiheit, geringere Steuern und Abgaben, bezahlbare und sichere Energie, weniger Bürokratie, eine leistungsfähige industrielle Basis und ein Staat, der verlässliche Rahmenbedingungen schafft, ohne Unternehmer und Bürger immer detaillierter zu lenken.
Damit, so Komning, habe der zweite Unternehmertag vor allem unter einem Leitmotiv gestanden: Deutschland verfüge weiterhin über Unternehmer, Fachkräfte, industrielles Know-how und wissenschaftliche Kompetenz. Entscheidend sei, ihnen wieder den notwendigen wirtschaftlichen und politischen Freiraum zu geben.

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